KRITERIEN FÜR FAIR GEHANDELTEN NATURKAUTSCHUK

Die Mitglieder und Lizenznehmer des Fair Rubber e.V. bezahlen 0,50 € pro Kilogramm Dry Rubber Content (DRC) an den Fair Rubber e.V., der diese Fair-Trade-Prämie vollständig auf ein Sonderkonto beim jeweiligen Lieferantenpartner weitergeleitet. Damit ist die rechnerische Kontrolle sehr einfach – und es kommt zu keinen verzerrten Preissteigerungen entlang der Lieferkette. Für die Verwendung der Fair-Trade-Prämien sind folgende Kriterien wesentlich:

  • Die Fair-Trade-Prämie soll zur Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen der Primärerzeuger von Kautschuk verwendet werden – aber zentral ist: diese Primärerzeuger entscheiden selbst über die Verwendung.
  • Jede Plantage muss ein gemeinsames Gremium (engl.: joint body) aus gewählten Belegschaftsvertretern und Delegierten des Managements einsetzen. Ausschließlich dieses Gremium entscheidet, wofür die Fair-Trade-Prämien verwendet werden. Bei Kleinbauernvereinigungen entscheidet der Vorstand über die Verwendung, denn hier gibt es kein separates Management.
Seit 2018 hat der Fair Rubber e.V. einen eigenen Kriterienkatalog für Fair gehandelten natürlichen Kautschuk entwickelt, der von unabhängigen Auditoren geprüft wird. Anders als bei anderen Zertifizierungen bezahlt der Fair Rubber e.V. diese Audits.

Die Fair Rubber-Kriterien sind eng angelehnt an relevante Kriterien von Fairtrade Labelling Organizations (FLO) International - Kautschukplantagen sind strukturell Teeplantagen sehr ähnlich: In Indien und Sri Lanka z. B. werden Kautschuk- und Teeplantagen oft von den gleichen Betreiberfirmen betrieben - und die Belegschaft gehört den gleichen Gewerkschaften an. In Sachen Umwelt enthalten die Fair Rubber-Kriterien die relevanten Kriterien des Forest Stewardship Council (FSC) – die Mehrzahl der Lieferantenpartner ist ebenfalls FSC-zertifiziert (und auch hier finanziert der Fair Rubber e.V. zum Teil die Auditkosten).

Für Lieferantenpartner, die FLO-, FSC-, oder bio-zertifiziert sind, muss nur ein kleiner Bereich der Fair Rubber-Kriterien separat überprüft werden: Wir wollen benachteiligten Produzenten helfen – nicht sie mit nie endenden Audit-Anforderungen überlasten. Fair gehandelter Gummi hat nur einen minimalen Marktanteil. Immerhin wurden jedoch seit 2012 etwas mehr als 600 Tonnen Dry Rubber Content nach den Kriterien von Fair Rubber e.V. gehandelt – was EUR 300.000 an Fair-Trade-Prämien entspricht (Stand Ende 2018).