Fairer Handel erklärt: Was ist eigentlich ein Joint Body?

Es gibt keine international verbindliche Definition für ‚ Fairen Handel’. Aber es gibt einige Punkte, die erfüllt sein sollten, wenn von‚ fair gehandelten’ Produkten die Rede ist.

Zunächst das Ziel des Konzepts‚ Fairer Handel’: Er soll dazu beitragen, daß‚ benachteiligte Produzenten’ ihre Arbeits- und Lebensbedingungen etwas verbessern können. Zweites Kern-Merkmal des Fairen Handels ist das Bezahlen eines Preises, der die Produktionskosten deckt und den Erzeugern darüber hinaus etwas finanziellen Spielraum ermöglicht: das soll die Fair Trade Prämie leisten. Und es muß sichergestellt sein, daß diejenigen, die ein Produkt erzeugen, anbauen, …, auch diejenigen sind, die über die Verwendung der Fair Trade Prämie entscheiden: Sie haben das Geld verdient – sie können damit tun, was sie wollen – kein‚ Gönner in Übersee’ bestimmt, …

Was heißt das konkret für den Fairen Handel mit Gummi-Erzeugnissen?

Benachteiligte Produzenten’ im Kontext von Naturkautschuk sind an erster Stelle Kleinbauern (und die für sie arbeitenden Zapfer). 80% der Weltproduktion kommt von dieser Gruppe, die besonders betroffen ist, wenn die Weltmarktpreise so niedrig sind, daß sie unter den Gestehungskosten liegen.

Die vom Fair Rubber e.V. festgesetzte Fair Trade Prämie von EUR 0,50/kg DRC (Dry Rubber Content = Gummi-Trockenmasse) stellt sicher, daß auch in Zeiten von Niedrigpreisen die Kleinbauern nicht nur ihre Gestehungskosten decken können, sondern auch noch etwas Geld übrig ist für die Ausbildung der Kinder, neue Gerätschaften, … Der jeweilige Vorstand einer Kleinbauern-Vereinigung entscheidet über die Verwendung der Fair Trade Prämie.

Nun beziehen die Mitglieder des Fair Rubber Vereins v.a. aus technischen Gründen den Großteil ihres Gummibedarfs von Plantagen: Produkte mit dem Fair Rubber e.V. Logo bedürfen überwiegend sehr sorgsamer Verarbeitung, was bei Naturkautschuk von Kleinbauern nur bedingt möglich ist. In der Regel ist die Plantagenbelegschaft von niedrigen Weltmarktpreisen eher indirekt betroffen: Die Plantagenbesitzer haben (weniger) finanziellen Spielraum, Löhne zu erhöhen, Wohnungen zu renovieren, … Fair Trade Prämien, die über den Verein laufen, werden direkt auf Sonderkonten bei den Partner-Plantagen geleitet. Die Entscheidung über die Verwendung (im letzten Jahr knapp EUR 45.000) trifft der sog. Joint Body – ein von den Arbeiterinnen und Angestellten der jeweiligen Plantage zusammengestelltes Gremium. Einzige Vorgabe ist, daß das Geld der Belegschaft zugute kommt. Ansonsten können die Joint Bodies beschließen, was sie wollen (wobei das Management ein Veto hat – da sich ‚alles’ ja auf ‚ihrer’ Plantage abspielt). Dieses Vergabeprinzip wurde 1994 für Tee mit dem Fairtrade Siegel entwickelt – und bewährt sich jetzt ebenso gut auf Kautschukplantagen. Die Projekte auf den Partnerplantagen des Fair Rubber e.V. belegen das.